17 ikonische Stühle und die Ideen hinter ihrem Design
17 ikonische Stühle, 17 unterschiedliche Ideen: Entdecke die Formen, Materialien und Menschen hinter bekannten Designklassikern.

Wassily Chair
Marcel Breuer, 1925
Stahlrohr macht die Konstruktion sichtbar.
Marcel Breuers Wassily Chair von 1925 zeigt offen, wie er gebaut ist. Gebogenes Stahlrohr bildet das Gestell; gespannte Bahnen übernehmen Sitzfläche, Rücken- und Armlehnen. So lässt sich die Konstruktion auf einen Blick nachvollziehen.
Die Leichtigkeit eines Fahrradrahmens gehörte zu Breuers Anregungen. Statt einen schweren Polsterkörper zu bauen, zerlegte er den Sessel in Linien und Flächen. Das macht den Entwurf zu einem wichtigen Beispiel der frühen Stahlrohrmöbel.
Im Raum wirkt der Wassily besonders gut, wenn seine offene Silhouette sichtbar bleibt. Ein ruhiger Teppich und etwas Abstand zu anderen Möbeln lassen die Linien zur Geltung kommen.
Cesca Chair
Marcel Breuer, 1928
Ein Freischwinger zwischen Stahlrohr und Flechtwerk.
Beim Cesca Chair von 1928 verbindet Marcel Breuer ein Stahlrohrgestell mit Holzrahmen und Geflecht. Die Materialien setzen einen reizvollen Kontrast: glänzendes Metall trifft auf eine warme, durchlässige Oberfläche.
Der Stuhl kommt ohne hintere Beine aus. Das freischwingende Gestell gibt der Sitzfläche eine leichte Federung und lässt sie seitlich betrachtet beinahe schweben.
Am Esstisch passt der Cesca sowohl zu Holz als auch zu einer klaren Glas- oder Steinplatte. Sein Geflecht kann einen Bezug zu anderen Naturmaterialien im Raum herstellen.
Neue Materialien, neue Konstruktionen
Mit Stahlrohr änderte sich die Form vieler Sitzmöbel. Tragende Elemente konnten schlanker werden und offen sichtbar bleiben. Auch die Frage, wie eine Sitzfläche den Körper stützt, wurde neu gestellt. Die folgende Liege zeigt einen besonders anschaulichen Ansatz.
Barcelona Chair
Ludwig Mies van der Rohe & Lilly Reich, 1929
Große Wirkung durch Proportion, Leder und Metall.
Der Barcelona Chair entstand für den Deutschen Pavillon der Weltausstellung 1929 in Barcelona, im Umfeld der Zusammenarbeit von Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich. Seine breiten Polster ruhen auf geschwungenen, sich kreuzenden Metallbändern.
Die Form ist sparsam, die Wirkung großzügig. Das polierte Gestell zeichnet eine klare Kontur, während die geknöpften Lederkissen dem Sessel Tiefe und Struktur geben.
Als Solitär braucht er etwas Platz. In einer Lese- oder Sitzecke lässt er sich gut mit einem schlichten Beistelltisch und einer gezielt gesetzten Leuchte kombinieren.
LC4 Chaiselongue
Le Corbusier, Charlotte Perriand & Pierre Jeanneret, 1928
Eine Liege, deren Form sich am Körper orientiert.
Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand entwarfen die LC4 1928. Ihre gebogene Liegefläche liegt auf einem eigenen Untergestell und lässt sich in der Neigung verstellen.
Die Konstruktion macht das Prinzip sichtbar: Der obere Rahmen folgt der liegenden Körperhaltung, der Sockel hält ihn in Position. Polsterauflage und Kopfrolle ergänzen die klare Stahlstruktur.
Für die Einrichtung ist vor allem ihre Länge wichtig. Gib ihr eine eigene Zone und prüfe den Platzbedarf in unterschiedlichen Liegepositionen.
Louis-XVI-Bergère
Ein gepolsterter Sessel aus der Welt des Klassizismus.
Die Louis-XVI-Bergère führt uns ins späte 18. Jahrhundert. Sie steht hier für einen Möbeltyp und eine Stilrichtung, nicht für einen einzelnen, namentlich bekannten Entwurf.
Geradere Linien, symmetrische Ornamente und schlanke, häufig kannelierte Beine prägen diese Formensprache. Die gepolsterten Seiten und die umschließende Rückenlehne machen die Bergère zu einem einladenden Sitzmöbel.
Ein solches Stück lässt sich gut mit schlichten modernen Möbeln verbinden. Ein einfarbiger Bezug betont den geschnitzten Rahmen; ein gemusterter Stoff gibt dem Sessel eine andere, persönlichere Wirkung.
Womb Chair
Eero Saarinen, 1948
Eine großzügige Schale zum Zurücklehnen.
Eero Saarinen entwarf den Womb Chair 1948 auf Anregung von Florence Knoll. Gewünscht war ein Sessel, in dem man unterschiedliche, entspannte Sitzhaltungen einnehmen konnte.
Die breite, gepolsterte Schale umfasst Rücken und Seiten. Das schlanke Metallgestell hält den großen Polsterkörper optisch vom Boden ab.
Der Womb eignet sich als eigener Ruheplatz im Wohnzimmer. Plane neben seiner Breite auch etwas Raum zum Bewegen ein; mit einem Fußhocker wird die Sitzecke noch großzügiger.
Die Sitzschale als System
Geformte Kunststoffe eröffneten weitere Möglichkeiten. Zusammenhängende Schalen ließen sich mit unterschiedlichen Gestellen verbinden und für verschiedene Nutzungen weiterentwickeln. Bei Charles und Ray Eames wurde daraus eine ganze Möbelfamilie.
Wishbone Chair
Hans J. Wegner, 1949
Holz, Papierkordel und eine unverwechselbare Y-Lehne.
Hans J. Wegner entwarf den CH24, auch Wishbone Chair oder Y-Stuhl genannt, 1949. Seit 1950 wird er von Carl Hansen & Søn produziert.
Die gebogene Rückenpartie geht in die Armauflagen über. Ein Y-förmiges Element stützt sie in der Mitte, während eine geflochtene Sitzfläche aus Papierkordel das Holzgestell ergänzt.
Die offene Form wirkt am Esstisch leicht und lässt die Maserung des Holzes sichtbar. Für eine stimmige Kombination lohnt sich ein Vergleich von Tischhöhe, Armlehnenhöhe und Holzton.
Eames Molded Plastic Chair
Charles & Ray Eames, 1950
Eine Sitzschale, viele Möglichkeiten.
Charles und Ray Eames entwickelten eine geformte Sitzschale, die mit unterschiedlichen Untergestellen kombiniert werden konnte. Die ab 1950 produzierten Modelle bestanden zunächst aus glasfaserverstärktem Kunststoff.
Die Idee war ebenso gestalterisch wie praktisch: Eine zusammenhängende Schale nimmt den Körper auf, während das Untergestell ihre Nutzung und Erscheinung verändert. Spätere Ausführungen verwenden andere Materialien.
Beim Zusammenstellen mehrerer Stühle kannst du das Prinzip aufgreifen: gleiche Schalen mit einer gemeinsamen Farbe oder passende Gestelle geben einer Gruppe Zusammenhang.
Eames RAR Rocking Chair
Der Eames-Schalenstuhl bekommt Kufen.
Der RAR verbindet die Eames-Armlehnschale mit einem filigranen Metallgestell und hölzernen Schaukelkufen. Die Abkürzung steht für Rocking Armchair Rod Base.
Er zeigt, wie wandelbar das Schalenprinzip ist: Ein anderes Untergestell macht aus der vertrauten Sitzform einen Schaukelstuhl mit eigener Bewegung und Silhouette.
Als einzelnes Möbel passt er in eine Leseecke oder neben ein niedriges Sideboard. Plane hinter und vor den Kufen genügend Bewegungsraum ein.
Eames Lounge Chair
Charles & Ray Eames, 1956
Der Clubsessel, neu gedacht in Holz und Leder.
Charles und Ray Eames stellten ihren Lounge Chair 1956 vor. Geformte Sperrholzschalen tragen die Polster für Sitz, Rücken und Kopfbereich.
Der Entwurf verbindet den großzügigen Charakter eines Clubsessels mit einer klar gegliederten Konstruktion. Die sichtbaren Holzschalen sind dabei ebenso wichtig wie die weichen Kissen.
Zusammen mit dem Ottoman entsteht ein eigener Platz zum Lesen und Entspannen. Achte bei der Raumplanung darauf, dass Sessel und Hocker die Laufwege nicht unterbrechen.
PK22 Lounge Chair
Poul Kjærholm, 1956
Ein leichter Sessel mit klarer Materialwirkung.
Poul Kjærholms PK22 von 1956 lebt von wenigen Linien. Eine zurückhaltende Stahlkonstruktion trägt die geneigte Sitz- und Rückenfläche.
Die hier gezeigte Ausführung verbindet mattes Metall mit Geflecht. Der offene Aufbau lässt Licht durch und macht den Unterschied zwischen tragender Struktur und Sitzfläche gut erkennbar.
Der PK22 lässt sich auch in kleineren Sitzgruppen einsetzen, weil seine Silhouette wenig Fläche verdeckt. Ein weicher Teppich ergänzt die klaren Konturen.
Wenn ein Sessel den Raum mitgestaltet
Einige Entwürfe fallen schon durch ihre Silhouette auf. Hohe Rückenlehnen, geschlossene Schalen und durchgehende Kurven verändern nicht nur das Sitzen, sondern auch den Raum um das Möbelstück.
Superleggera-Stuhl
Gio Ponti, 1957
Wie leicht kann ein Holzstuhl sein?
Mit der Superleggera von 1957 knüpfte Gio Ponti an die Stuhltradition von Chiavari an. Gemeinsam mit Cassina entwickelte er eine besonders schlanke Konstruktion aus Holz.
Die Leistung liegt im Zusammenspiel der Teile: Beine, Zargen und Lehne sind fein dimensioniert und bilden dennoch ein nutzbares Sitzmöbel. Das geringe Gewicht gehört zur Idee des Entwurfs.
Am Esstisch bleibt die Superleggera optisch zurückhaltend. Ihre schmalen Linien passen gut zu einer kräftigeren Tischplatte und lassen deren Material zur Geltung kommen.
Egg Chair
Arne Jacobsen
Ein geschützter Sitzplatz mit skulpturaler Rückenlehne.
Arne Jacobsens Egg Chair umschließt die sitzende Person mit einer hohen, geschwungenen Rückenlehne und seitlichen Flügeln. Schon von hinten ist seine Form gut zu erkennen.
Die große Schale schafft einen etwas abgeschirmten Platz innerhalb des Raums. Polsterung und Bezug bestimmen mit, ob der Sessel weich, farbig oder eher zurückhaltend wirkt.
Freistehend lässt sich seine Rundung von mehreren Seiten sehen. Eine kleine Leseleuchte und ein Beistelltisch reichen aus, um daraus eine eigene Sitzecke zu machen.
Panton Chair
Verner Panton, 1967
Eine S-Kurve als Sitzmöbel.
Verner Pantons Stuhl geht in einer durchgehenden Kurve vom Fuß über die Sitzfläche in die Rückenlehne über. Vitra brachte ihn 1967 auf den Markt; die Materialien wurden im Laufe seiner Produktionsgeschichte mehrfach weiterentwickelt.
Der Entwurf gehört zu den prägenden Kunststoff-Freischwingern. Seine Form lässt die übliche Trennung von Gestell, Sitz und Lehne verschwinden.
Ein einzelner Panton Chair kann wie eine Skulptur wirken. Mehrere am Esstisch ergeben einen deutlichen Rhythmus; halte andere auffällige Formen daneben eher sparsam.
Platner Wire Chair
Warren Platner, 1966
Stahlstäbe werden zu einer offenen Hülle.
Warren Platners Sitzmöbel von 1966 bestehen aus zahlreichen gebogenen Metallstäben. Sie verbinden sich zu einem korbartigen Volumen, das Polster und Sitzfläche trägt.
Beim Blick aus verschiedenen Richtungen überlagern sich die Linien immer wieder anders. So entsteht ein Muster, obwohl der Entwurf ohne aufgesetztes Ornament auskommt.
Die offene Struktur verträgt einen ruhigen Hintergrund. Neben einem schlichten Sofa oder einem klaren Tisch bleibt die besondere Konstruktion gut sichtbar.
Ball Chair
Eero Aarnio, 1963
Eine kleine Raumkapsel zum Hineinsetzen.
Eero Aarnio entwarf den Ball Chair 1963; international vorgestellt wurde er 1966. Die große Kugelschale auf einem Fuß gehört zu den bekanntesten Bildern des Space-Age-Designs.
Die offene Vorderseite gibt den Blick auf das gepolsterte Innere frei. Wer darin sitzt, erlebt die Umgebung gerahmt von der runden Schale.
Der Ball Chair braucht mehr Platz, als ein Foto vermuten lässt. Als Solitär in einer großzügigen Ecke kann seine Form wirken, ohne andere Sitzplätze zu bedrängen.
Diamond Chair
Harry Bertoia
Eine Sitzfläche aus gezeichneten Linien.
Harry Bertoia übertrug sein Interesse an Skulptur auf ein Sitzmöbel aus geschweißtem Metalldraht. Beim Diamond Chair weitet sich das Gitter seitlich zu einer markanten, rautenähnlichen Form.
Die Zwischenräume gehören zur Wirkung: Die Schale definiert ein Volumen, bleibt dabei aber durchsichtig. Je nach Blickwinkel treten andere Linien in den Vordergrund.
Mit einem Sitzpolster wird die Gitterstruktur um eine weiche Fläche ergänzt. Vor einer ruhigen Wand lässt sich das Zusammenspiel aus Form, Licht und Schatten besonders gut sehen.
Was macht einen Stuhl zum Designklassiker?
Ein bekannter Name allein erklärt seine Wirkung noch nicht.
Oft steckt eine besonders klare Idee dahinter.
Sie kann in der Konstruktion liegen, im Umgang mit Material oder in einer neuen Vorstellung von Komfort.
Die vorgestellten Stühle zeigen, wie unterschiedlich solche Ideen aussehen können.
Der Wassily macht das Stahlrohrgestell zum sichtbaren Teil des Entwurfs.
Der Cesca verbindet einen Freischwinger mit Holz und Geflecht.
Beim Barcelona Chair bestimmen Proportionen, Leder und Metall die Wirkung.
Der Womb Chair bietet Raum für unterschiedliche Sitzhaltungen.
Die Eames-Schale lässt sich mit verschiedenen Untergestellen kombinieren.
Die Superleggera macht eine besonders leichte Holzkonstruktion zum Thema.
Der Panton Chair verbindet Fuß, Sitz und Lehne in einer Kurve.
Der Ball Chair schafft einen umschlossenen Sitzplatz.
Der Diamond Chair definiert seine Form mit einem offenen Drahtgitter.
Beim Einrichten lohnt es sich, genau dort anzusetzen.
Welche Form passt zu den vorhandenen Möbeln?
Welche Materialien möchtest du jeden Tag um dich haben?
Und sitzt du auf dem Stuhl tatsächlich gerne?
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Im Ateliology-Archiv findest du weitere Porträts zu Designern, Materialien und Möbeltypen. Sie helfen dabei, bekannte Formen einzuordnen und besondere Stücke mit neuen Augen zu sehen.
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