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Ultrafragola-Spiegel
1970 (Vor-Memphis-Postmoderne)

Ultrafragola-Spiegel

Ettore SottsassPoltronova, Italien

Ein Spiegelrahmen aus wellenförmig geschwungenem, rosafarbenem Acrylglas mit integrierter Hinterleuchtung: Der Ultrafragola von Ettore Sottsass verwandelt 1970 ein alltägliches Badezimmerobjekt in eine erdbeerfarbene Lichtskulptur — und wurde Jahrzehnte später zum meistfotografierten Spiegel der sozialen Medien.

Ein Vorbote der Memphis-Bewegung

Der Ultrafragola entstand 1970 für den Hersteller Poltronova, ein volles Jahrzehnt bevor Ettore Sottsass 1980 die Memphis-Gruppe mitbegründete — und zeigt bereits viele der Ideen, die später zum Markenzeichen der Bewegung wurden: kräftige, unnatürliche Farben, spielerische statt geometrisch-strenge Formen und ein bewusster Bruch mit der damals vorherrschenden Idee, gute Gestaltung müsse zurückhaltend und funktional-neutral sein. Der Name "Ultrafragola" spielt auf das italienische Wort für Erdbeere ("fragola") an und verweist direkt auf den kräftigen Rosaton des Objekts.

Acrylglas als plastisches Material

Der Spiegel besteht aus thermogeformtem, rosafarbenem Acrylglas, das in mehreren durchgehenden Wellenlinien geformt wird — eine für 1970 fortschrittliche Anwendung eines Materials, das zuvor vor allem industriell und selten dekorativ eingesetzt wurde. In den Rahmen integrierte Leuchtröhren hinterleuchten das Acrylglas von innen, wodurch die Wellenlinien selbst zu leuchten scheinen. Diese Kombination aus Formgebung und integrierter Beleuchtung war zur Entstehungszeit technisch ungewöhnlich aufwendig und bleibt bis heute ein Grund für den hohen Wiedererkennungswert des Objekts.

Radical Design und die Kritik am Funktionalismus

Der Ultrafragola gehört zur italienischen Bewegung des "Radical Design" der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre, die gezielt gegen den international vorherrschenden Funktionalismus rebellierte. Statt Möbel primär über ihre Nützlichkeit zu definieren, verstanden Designer wie Sottsass Objekte als Träger von Ideen, Ironie und kultureller Kritik. Ein Spiegel, dessen wellenförmiger, leuchtender Rahmen fast mehr Aufmerksamkeit beansprucht als das Spiegelbild selbst, ist damit auch eine bewusste Provokation gegenüber der Vorstellung, ein Alltagsobjekt müsse unauffällig bleiben.

Vom Nischenobjekt zum Social-Media-Phänomen

Über Jahrzehnte blieb der Ultrafragola ein vergleichsweise wenig bekanntes Designobjekt für Kenner. Erst mit dem Aufstieg von Instagram und der Wiederentdeckung von Postmoderne und "Millennial Pink" in der Innenarchitektur wurde der Spiegel ab den späten 2010er-Jahren zu einem der meistfotografierten Einrichtungsobjekte überhaupt — sein leuchtend rosafarbener, warm hinterleuchteter Rahmen liefert einen fast idealen Bildhintergrund und machte ihn zu einem Symbol für maximalistisches, farbenfrohes Interior Design.

Der Ultrafragola im Stil-Mix

Der Spiegel funktioniert am eindrucksvollsten als bewusster Farbbruch: In einem ansonsten neutralen, hellen Schlafzimmer wird er zum alleinigen, unübersehbaren Statement, neben Art-Deco-Elementen aus Schwarz und Gold entsteht ein reizvoller Kontrast zwischen historischer Eleganz und postmoderner Verspieltheit, und in einem Vaporwave-×-Art-Nouveau-Bad ergänzt er die dortige Farbwelt aus Pastellrosa und Türkis um sein charakteristisches Leuchten.

Ateliology Style Verdict

Der Ultrafragola beweist, dass ein Alltagsobjekt wie ein Spiegel zum eigenständigen Kunstwerk werden kann, ohne seine Funktion zu verlieren. Ettore Sottsass' Kombination aus plastischer Form und integriertem Licht machte ihn zu einem der prägendsten Style Pieces des Radical Design — und Jahrzehnte später zu einem echten Ikonen-Objekt.

Passender Stil