Tura-Lack-Bar-Wagen
Aldo Tura — Aldo Tura, Mailand
Glänzend lackiertes Ziegenpergament in tiefem Burgunderrot, veredelt mit poliertem Messing: Aldo Turas Bar-Wagen aus den 1960er-Jahren verwandelte ein alltägliches Material aus der Trommelherstellung in eines der glamourösesten Interior-Objekte des italienischen Mid-Century.
Vom Familienbetrieb für Trommeln zum Möbeldesigner
Aldo Tura übernahm in den 1930er-Jahren den Familienbetrieb seines Vaters, der ursprünglich Trommeln und andere Objekte aus Ziegenpergament herstellte — jenem gegerbten, dünnen Tierhaut-Material, das traditionell für Trommelfelle verwendet wird. Statt bei diesem eng begrenzten Marktsegment zu bleiben, erkannte Tura in den 1940er- und 1950er-Jahren das dekorative Potenzial des Materials und begann, es lackiert und in kräftigen Farben auf Möbeloberflächen zu verarbeiten — ein damals ungewöhnlicher Materialtransfer von der Musikinstrumenten- in die Möbelherstellung.
Mehrschichtiger Lack über Naturmaterial
Die Herstellung eines Tura-Möbelstücks erfordert einen aufwendigen, mehrstufigen Prozess: Ziegenpergament wird über einen Holzkern gespannt und anschließend in zahlreichen Schichten mit farbigem Lack überzogen und poliert, bis eine tiefglänzende, fast spiegelnde Oberfläche entsteht. Unter der glatten Lackschicht bleibt jedoch die charakteristische, leicht unregelmäßige Textur des Pergaments spürbar — ein Materialeffekt, der industriell lackiertem Holz oder Kunststoff nicht ohne Weiteres nachzuahmen ist und jedem Tura-Stück eine spürbar handgefertigte Qualität verleiht.
Ein Gegenpol zum rationalen italienischen Design
Während Zeitgenossen wie Gio Ponti mit dem Superleggera-Stuhl auf Reduktion und rationale Leichtigkeit setzten, verfolgte Aldo Tura einen entgegengesetzten Ansatz innerhalb des italienischen Mid-Century Modern: opulente Materialität, kräftige Farbigkeit und ein bewusst dekorativer, fast theatralischer Auftritt. Diese Haltung machte seine Möbel besonders populär in der internationalen Hotellerie und bei einem großstädtischen, kosmopolitischen Publikum der 1960er-Jahre, das nach glamourösem, unverwechselbarem Interieur suchte.
Der Bar-Wagen als Bühne für Geselligkeit
Der Bar-Wagen war in den 1960er-Jahren ein zentrales Möbelstück gesellschaftlicher Wohnkultur — eine Ära, in der das gemeinsame Mixen von Cocktails zum festen Bestandteil des Zusammenseins gehörte. Turas lackierte Version verwandelte dieses funktionale Möbelstück zusätzlich in ein eigenständiges Schmuckstück, das auch im geschlossenen Zustand als dekoratives Objekt im Raum stehen konnte, statt lediglich Werkzeug für den nächsten Drink zu sein.
Der Tura-Bar-Wagen im Stil-Mix
Der Bar-Wagen funktioniert hervorragend als glamouröser Akzent in ansonsten reduzierten Räumen: In einem Modern-Luxury-Wohnzimmer mit Marmor und Messing ergänzt er das Ensemble um eine zusätzliche Materialebene, in einem Cyberpunk-×-Art-Deco-Interior mit Neonlicht liefert sein tiefes Burgunderrot einen warmen Gegenpol, und neben schlichteren Vintage-Möbeln wird der Bar-Wagen selbst zum unübersehbaren Blickfang des Raumes.
Ateliology Style Verdict
Der Tura-Bar-Wagen beweist, dass ein Material aus der Trommelherstellung zu einem der glamourösesten Möbelstoffe der Designgeschichte werden kann. Aldo Turas aufwendige Lacktechnik und sein Bekenntnis zu opulenter Dekoration machen ihn zu einem Style Piece, das italienischen Glamour in Reinform verkörpert.